

Es ist eine Kunst, mit den eigenen Emotionen dazubleiben. Besonders dann, wenn es intensiv wird und wenn alte Wunden berührt werden.
In diesen Momenten brauchen wir keinen schnellen Ausweg – sondern einen inneren Raum, der uns trägt.
Dieser Text lädt Dich ein, Dir selbst ein sicherer Ort zu sein.
Dich selbst halten zu lernen.
Nicht um etwas wegzumachen, sondern um einfach da zu sein, präsent, verbunden, weich.
So wie Du auch andere Menschen begleitest – mit genau dieser liebevollen Haltung.
1. Ankommen – Der Körper als Zuhause
Setz Dich hin.
Ganz bewusst.
Nimm Dir einen Moment, um Dich wirklich dort zu spüren, wo Du jetzt bist.
Spür den Boden unter Deinen Füßen.
Spür, wie Dein Becken auf Deiner Sitzunterlage.
Und dann beginne, Dich über Deinen Atem tiefer in Deinem Körper zu verankern.
Lass Dich mit jedem Atemzug mehr ankommen. In Dir. In Deinem Körper.
Vielleicht magst Du dabei innerlich sagen:
Ich bin hier. Ich bin in meinem Körper. Ich bin sicher.
Dein Atem ist Dein Anker.
Mit ihm kannst Du Dich immer wieder erinnern:
Du musst nichts tun, nichts lösen, nichts leisten.
Nur da sein.
Und atmen.
2. Spüren. Wo im Körper zeigt es sich?
Wenn Du mit einem Thema hier sitzt – vielleicht etwas, das Dich innerlich bewegt oder immer wieder auftaucht – dann schau einmal, ob Du es im Körper wahrnehmen kannst.
Nicht als Gedanke oder Geschichte, sondern ganz konkret:
Wo spürst Du es gerade?
Hat es eine Form? Eine Farbe?
Ist da Druck, Enge, Hitze, Kribbeln – oder vielleicht ein Bild, das auftaucht?
Lass Dir Zeit.
Du musst nichts analysieren.
Nur fühlen.
Nur in Kontakt gehen.
Wichtig ist: Du bist nicht das Thema.
Du spürst es.
Das macht einen Unterschied.
Du bleibst diejenige, die hält – nicht die, die überrollt wird.
3. Den Raum darum wahrnehmen – nicht direkt hineingehen
In der Trauma- und Prozessarbeit wissen wir: Sicherheit entsteht durch Kontakt, nicht durch Konfrontation.
Deshalb geh nicht sofort ins Thema hinein.
Spür erst einmal den Raum um das Thema herum.
Gibt es Stellen in Deinem Körper, die sich ruhig oder neutral anfühlen?
Vielleicht Deine Füße. Oder Deine Hände. Dein Rücken. Dein Atem.
Lass diesen sicheren Ort in Dir bewusst größer werden.
Er ist wie ein weiches Nest um das, einen Ort der Sicherheit in Dir.
Und während Du das Thema im Körper weiter beobachtest, spür den Raum darum herum.Ohne Bewertung. Ohne „es wegmachen“ zu wollen.
Nur Raum. Nur Präsenz. Dasein.
Du wirst vielleicht bemerken:
Die Form verändert sich.
Die Textur wird weicher.
Das Thema beginnt sich selbst zu wandeln – einfach, weil es gesehen wird.
4. Nervensystem und Selbstregulation – Deine innere Stabilität
Diese Praxis ist kein „emotionales Durcharbeiten“.
Sie ist ein Akt der Regulation.
Du trainierst Deine Fähigkeit, präsent zu bleiben – mit dem, was ist.
Dein Nervensystem lernt dabei:
Ich kann fühlen, ohne zu fluten.
Ich kann berührt sein, ohne zu kippen.
Ich kann halten – mich selbst.
Und genau das ist es, was nachhaltige Transformation möglich macht.
Nicht der emotionale „Tsunami“, sondern das stille Dableiben.
Nicht das Drama, sondern die Würde des Spürens.
5. Der heilige Akt der Selbstbegleitung
Dich selbst zu halten ist eine tiefe Form der Selbstliebe.
Du wirst lernen, Dir selbst zu vertrauen.
Dich selbst nicht zu verlassen, wenn es weh tut.
Sondern dazubleiben. Mit Weichheit. Mit Mut. Mit Atem.
Und genau das verändert alles.